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30.
Jul
2012

Makrofotografie: Zwischenring vs. Makroobjektiv [20.306 x gelesen]

Wer sich irgendwann einmal der Makrofotografie widtmen möchte, wird sich zwangslĂ€ufig die Frage stellen mĂŒssen, ob er sich fĂŒr diesen Zweck einen Zwischenring oder eine Nahlinse bzw. ein Makrobjektiv zulegt. Hinsichtlich der spĂ€teren QualitĂ€t und des Anschaffungspreises unterscheiden sich beide Methoden deutlich voneinander.

Ein Zwischenring ist fĂŒr Gelegenheitsfotografen im Bereich des Makros sicherlich eine preiswerte Möglichkeit. Der Preis fĂŒr einen dreiteiligen Zwischenring belĂ€uft sich meist „nur“ zwischen 50 und 60 €. Da keine optischen Bauteile vorhanden sind und sich die Mechanik nur darauf beschrĂ€nkt die Blenden- und Fokussteuerung an das Objektiv weiterzuleiten, sind Zwischenringe sehr robust und relativ leicht. Durch unterschiedlich dicke Einzelringe lĂ€sst sich die Bildweite b (Abstand Linsensystem zur Sensorebene) zu verschiedenen Stufen kombinieren.
 

HĂ€ufig findet man Zwischenringe mit 31 mm, 21 mm und 13 mm. Die Bildweite b lĂ€sst sich demnach um bis zu maximal 65 mm erhöhen. Da die Brennweite des Objektives jedoch gleich bleibt, muss sich laut der Linsengleichung (1/f= 1/b + 1/g) die Gegenstandsweite g (Abstand Linsensystem zur Gegenstandsebene) verringern. Demnach ist es möglich nĂ€her an den Gegenstand zu gelangen, womit auch der Abbildungsmaßstab auf dem Sensor erhöht wird. Nachteil: Da kein Linsensystem verwendet wird, wird auch das einfallende Licht bei großer Bildweite (mehrere Zwischenringe) deutlich abgeschwĂ€cht, was die Belichtungszeiten und damit eine optimale SchĂ€rfe deutlich beeinflusst.

Spezielle Makroobjektive sind hingegen teuer im Anschaffungspreis, bieten jedoch mehr Spielraum hinsichtlich ihres Einsatzes. Das Linsensystem ermöglicht es auch noch weit entfernte Objekte scharf abzubilden (Fokussierung ins Unendliche), was eine zusÀtzliche Verwendung beispielsweise in der Landschafts- und Portraitsfotografie ermöglicht. Zudem ist eine Abbildung im Nahbereich dieser Objektive besser korrigiert und das einfallende Licht wird durch die Linsen weniger stark abgeschwÀcht. Es ist daher einfacher Makroaufnahmen auch ohne Stativ unter schwachen Lichtbedingungn vorzunehmen.

Versuchsaufbau

In einer GegenĂŒberstellung möchte ich kurz noch einmal die QualtitĂ€t beider Methoden miteinander vergleichen. Hierzu diente die BlĂŒte einer Basilikumpflanze als Motiv. Es wurde ein Festbrennweitenobjektiv (Canon EF 50mm f1.8) ohne Zwischenringe, mit allen Zwischenringen (13 mm + 21 mm + 31 mm) oder nur einem (13mm) Zwischenring verwendet. Als Vergleich wurde das Canon EFS 60mm f2.8 Makroobjektiv verwendet. Es wurden jeweils Aufnahmen mit der kleinsten Blendenzahl und der Blendenzahl 6.3 gemacht, um auch einen Vergleich der SchĂ€rfenebenen zuzulassen. Die aufgenommen Bilder wurden anschließend auf das Ziel (die BlĂŒte) zugeschnitten (crop). Die daraus resultierende Auflösung lĂ€sst ebenfalls RĂŒckschlĂŒsse auf die QualitĂ€t der Bilder zu. Alle Aufnahme fanden unter gleich Lichtbedingungen und mit gleichen Kameraeinstellungen statt. Es wurde außerdem ein Stativ und ein Fernauslöser verwendet.

Ergbenisse

Die Ergebnisse mit den Originalauflösungen wurden in eine Übersicht zusammengefasst. Leider wurde die Auflösung nach Import reduziert. Die QualitĂ€t entspricht daher nicht 100% den Originalen. FĂŒr eine bessere Beurteilung sollte die Vorschau angeklickt und anschließend das Bild ĂŒber „Rechtsklick -> Bild Speichern unter“ gesichert und betrachtet werden. (GrĂ¶ĂŸe ca. 3 MB)

Wie zu erwarten bot die Kombination aus Festbrennweitenobjektiv + alle Ziwschenringe die grĂ¶ĂŸte Auflösung, da es den grĂ¶ĂŸten Abbildungsmaßstab hervorbrachte. Die BlĂŒte fĂŒllte fast den gesamten Sensorbereich. Insgesamt wirkt das Bild jedoch sehr verwaschen und wenig detailreich. Die SchĂ€rfebene ist bei kleinster Blendenzahl des Systems sehr gering. Deutlich mehr SchĂ€rfe erhielt man bereits mit einer Blendenzahl von 6.3.

Mit einem reinem Makroobjektiv ist zwar der Bildausschnitt und damit die Auflösung etwas geringer (1700px x 1120px), jedoch wirkt das Motiv auch bei kleinster Blendenzahl (2.8) sehr scharf und detailreich. Zudem erscheint es farbechter und deutlich heller. Dies war auch bei einer Blendenzahl von 6.3 gleichermaßen nur mit grĂ¶ĂŸerer SchĂ€rfenebene vorzufinden. Die KelchblĂ€tter zeigten hier deutliche Details wie HĂ€archen oder Wassertröfpchen. Die Auflösung reicht meines Erachtens fĂŒr Veröffentlichnungen und PrĂ€sentation deutlich aus. Mit dem kleinsten aller Zwischenringe zeigt das EF 50 mm Objektiv eine sehr viel geringe Auflösung. Zwar ist die BlĂŒte nun etwas detailreicher doch immernoch nicht mit dem Ergebnis des 60 mm Objektivs vergleichbar. Die alleinige Verwendung des Festbrennweitenobjektives 50 mm brachte logischerweise die geringste Auflösung mit. Die Nahgrenze (Abstand Sensorebene zum Objekt) betrug hier knapp 45 cm und liegt damit deutlich ĂŒber dem der anderen Testanaordnungen (5-10 cm).

Fazit

Der Einsatz des kleinsten Zwischenringes (13 mm) verringert die Nahgrenze eines 50 mm Festbrennweitenobjektivs von 45 cm auf ~18 cm. Die Verwendung aller Zwischenringe bringt zwar eine hohe Auflösung des Gesamtbildes hervor und verringt die Nahgrenze nochmals deutlich auf nur ~8,5 cm, jedoch ist das Bild stark verwaschen und wenig detailreich. FĂŒr nicht allzu starke VergĂ¶ĂŸerungen bietet ein 21 mm oder 13 mm Zwischenring noch ganz passable Aufnahmen. Den kompletten Tubus mit 13 mm + 21 mm + 31 mm zu verwenden, emfpehle ich persönlich nur bedingt unter starken LichtverhĂ€ltnissen.

Das Makrobjektiv bietet meines Erachtens die beste QualitĂ€t hinsichtlich Auflösung und Deteilreichtum. Der Mindestabstand betrĂ€gt bei diesem Objektiv nur knapp 19 cm. Auch unter schwachen LichtverhĂ€ltnissen mit einer relativ großen Blendenzahl lĂ€sst ich eine noch relativ hohe TiefenschĂ€rfe ermöglichen. Da das 60 mm Objektiv auch sehr gut fĂŒr die Portrait- oder Landschaftsfotografie verwendet werden kann, hat es mittlerweile fast mein etwas lichtstĂ€rkeres 50 mm f1.8 Objektiv abgelöst. Leider schlĂ€gt das 60 mm Objektiv mit ca. 360 € zu Buche.

Ein kleine Auswahl an 60 mm Makrofotografien findet ihr auch in meinem Portfolio unter der entsprechenden Rubrik. Weitere Bilder werden sicherlich folgen.


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Kategorie: Fotografie