Loading images...

3.
Jul
2011

Google+, ein neues Wir-Gef√ľhl? [14.338 x gelesen]

Als Microsoft damals ank√ľndigte eine eigene Konsole mit dem Namen „X-Box“ auf den Markt zu bringen, war meine Meinung √ľber einen Erfolg eher skeptisch. Immerhin galt es ein komplett neues Produkt auf einem bereits bestehenden Markt, umgeben von gro√üen Herstellern wie Sony und Nintendo, zu etablieren. Gleiche Skepsis ereilte mich im Jahre 2008, als Google mit ihrem neuen Browser „Chrome“ den Schritt in den Browsermarkt wagten. Auch hier gab es bereits stark vorherrschende Konkurrenzprodukte wie den Internet Explorer und den Firefox. Doch wie wir bereits heute wissen kann eben auch ein komplett neues Produkt den Markt umkr√§mpeln und gar eine Vorherrschaft √ľbernehmen.

In √§hnlicher Weise muss man davon ausgehen, dass das neue, von Google initiierte soziale Netzwerk „Google+“ eine solche Position einnehmen kann und den Marktf√ľhrer in diesem Bereich, n√§mlich „Facebook“, den Rang abl√§uft. Die Betonung liegt dabei auf kann. Immerhin wei√üt Facebook derzeit √ľber 750 Mio. Mitglieder auf. Doch in der Vergangenheit machte sich vermehrt Unmut bei einer Vielzahl dieser Nutzer breit. Das Hauptargument liegt dabei in der Sicherheit und Privatsph√§re dieses Protokolls und wie Facebook mit den Nutzerdaten im Allgemeinen umgeht. Hier m√∂chte Google+ neu ansetzen und vieles besser machen. Erst in den kommenden Jahren werden wir jedoch sehen, ob es gelingen wird.

Generell hat man es derzeit relativ schwer √ľberhaupt in den Kreis des Google+ Netzwerkes zu gelangen. Denn es befindet sich noch in einer Testphase und ist nur wenigen Leuten zug√§nglich. Zwar gab es in den letzten Tagen diverse M√∂glichkeiten dennoch in den Genuss von Google+ zu kommen, doch scheint Google die entsprechenden „Schlupfl√∂cher“ geschlossen zu haben um die Kapazit√§ten m√∂glicher Neuzug√§nge besser kontrollieren zu k√∂nnen.

Ich hatte vor wenigen Tagen noch das Gl√ľck, √ľber eben einen solchen Umweg, eine begeehrte Einladung zu erhalten. Das eine solche Einladung sehr, sehr beegehrt ist, machen etliche Foreneintr√§ge, Kommentare und Tweets auf Twitter deutlich. Es entwickelte sich gar ein eigenes kleines Netzwerk, welches das Ziel hat, neue Mitglieder mittels Mailinglisten f√ľr Google+ zu sammeln und entsprechende Einladungen an diese zu versenden (Link: http://googleplusinvites.com/).

Hat man es dann endlich geschafft in Google+ einzutauchen, so er√∂ffnet sich einem ein sehr aufger√§umtes, klares und √ľbersichtliches Design. Anders als man es beispielsweise immer wieder von Facebook-Nutzern h√∂rt, die mit dem Aufbau und Design oft stark √ľberfordert sind. Grundlegend orientiert sich aber das Google+ Design stark an dem des Facebooks. Die 4 wichtigsten Bereiche in Google+ findet man im oberen Bereich: Streams, Fotos, Profil und Circles.

Die Streams zeigen euch grob gesagt, die wichtigsten Beitr√§ge (Bilder, Videos, Links oder auch Standorte) aus Eurem Freundes- bzw. Bekanntenkreis auf. Das k√∂nnen auch Newsbeitr√§ge von Webseiten sein, die ihren Inhalt √ľber Google+ verteilen. Beitr√§ge k√∂nnen kommentiert, weitergegeben und via Google +1 auch bewertet werden. Im √ľbrigen werden alle +1 Websiten die ihr im Web bewertet habt in eurem Google+ Profil aufgezeigt und zusammengefasst.

Der Clou an Google+ sind die sogenannten „Circles“. Diese Kreise von Bekannten und Freunden, welche ihr selbst zusammenstellen k√∂nnt, haben den Vorteil das ihr eure Beitr√§ge nur bestimmten Kreisen bzw. Personengruppen zug√§nglich machen k√∂nnt, eine Art Verteiler, wie man es von der Email her kennt. Nat√ľrlich kann man Beitr√§ge auch komplett √∂ffentlich machen. Diese findet man dann beispielsweise √ľber die Google Suche oder in eurem Google+ Profil (ohne Mitglied zu sein). Durch dieses Features hat man nun die M√∂glichkeit privates und berufliches strikt voneinander zu trennen. Im Stream kann ich mir z.B. nur Beitr√§ge eines bestimmten Circles anzeigen, also filtern lassen, um hier nicht den √úberblick zu verlieren. Gleiche Handhabung gilt f√ľr Fotos, auch diese kann ich nur bestimmten Personengruppen zug√§nglich machen. Die Integration des Goolge Bilderdienstes Picasa rundet die Sache bez√ľglich der Bilderverwaltung noch ab. Auch vom Handy, via Android, hochgeladene Bilder landen bei Picasa oder im Google+ Foto Ordner. Es gibt schon jetzt die passende Google+ App f√ľr alle Android-Ger√§te. Und diese funktioniert auch, im Gegensatz zur Konkurrenz Facebook App, tadellos.

Nat√ľrlich bietet Google+ auch die M√∂glichkeit direkten Kontakt mit den Nutzern aufzunehmen. Dies beeinhaltet Text, als auch Video- und Voice-Chat. Auch hier ein besonderer Clou, Videogespr√§che lassen sich mit mehreren Personen in einer Konferenz abhalten (Hangouts). Dies alles l√§uft direkt im Browser. Lediglich ein Plugin f√ľr Chrome muss daf√ľr installiert sein.

Ich selbst bin von Google+ richtig begeistert und das geht nicht nur mir so. Wenn man sich so umh√∂rt, so gibt es bisher eigentlich nur positive Resonanzen. Auch wenn sicherlich noch einige Features fehlen. So gibt es derzeit noch keine „Seiten“, also Bereiche auf Google+, wo sich Firmen, Unternehmen oder K√ľnstler pr√§sentieren k√∂nnen. Mir pers√∂nlich fehlt z.B. auch noch eine Art Kalender, in denen man Events oder Geburtstage eintragen/anzeigen lassen kann. Was ich allerding im Gegensatz zu Facebook nicht vermisse, sind die Spambeitr√§ge in meinen Streams von irgendwelchen Spielen oder Anwendungen wie Farmville etc. Denkbar und w√ľnschenswert w√§re sicherlich auch noch eine Integration von Youtubeprofilen oder Twitter.

Meiner Meinung nach hat Google+ jedoch das Potential, Facebook Parolie zu bieten. Ich kenne bereits schon einige Leute die den Umstieg mitmachen werden. Aber genau hier seh ich auch den entscheidenden Punkt, welcher Google+ zum scheitern vorteilen k√∂nnte. Sind die Freunde/Bekannten √ľberhaupt bereit wieder einem neuen Netzwerk beizutreten?

Kategorie: Aus dem Web